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Abenteuerlich

Die Nachwendezeit war für mich überwiegend spannend, ja teilweise geradezu abenteuerlich. Neben dem Abbruch, der ganz sicher viele Betriebe und ganze Branchen betraf, gab es dennoch auch sehr viel Aufbruchstimmung und viele hatten eine zeitlang so ein Gefühl von „alles ist möglich“.

Bevor sich alle Institutionen gebildet und konsolidiert hatten, gab es viel Chaos und Unwissen, aber auch Freiräume. Das war der „wilde Osten“.
Manche waren in dieser Zeit skeptisch, ängstlich oder pessimistisch, andere – so wie ich – sahen auch Chancen und neue Möglichkeiten.

Nachdem ich meiner alten Firma den Rücken gekehrt und beschlossen hatte mich selbständig zu machen, weil ich keine/n ChefIn mehr haben wollte und mir familienfreundliche Arbeitseinteilung wünschte, gründete ich mit einer Geschäftspartnerin eine Dienstleistungsfirma. Das war Ende 1990.
Es gab natürlich einige Hürden zu überwinden, weil viele Ansprechpartner bei der IHK, Handwerkskammer, Bank, Sozialversicherung, Gewerbeamt etc. noch nicht wirklich in allen nötigen Belangen Bescheid wussten, es gab auch noch Übergangsregelungen in verschiedenen Bereichen und wir mussten gemeinsam gelegentlich improvisieren.
Das alles war aber eigentlich nicht wirklich problematisch.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir dagegen der Umstand, dass es damals wohl noch etwas gewöhnungsbedürftig war, dass Frauen selbständig sind, auch weil sich daraus die ein oder andere witzige Anekdote ergab. Mich wunderte das, denn in der DDR waren die Frauen ja relativ selbstverständlich auch in leitenden Positionen tätig gewesen.

In der Anfangszeit unserer kleinen Firma, die unter den Nachnamen von Frau L. und Frau K. firmierte, kam es nicht nur einmal vor, dass ein Handelsvertreter vorsprach und zielgerichtet Herrn L. (oder “den Chef”) zu sprechen wünschte, wenn ich mich als Frau L. vorstellte.
Die Antwort lautete wahrheitsgemäß: „Der ist nicht im Haus.“
„Und Herr K.?“
„Auch nicht.“
„Aha, dann komme ich nochmal wieder.“
Einer hat das immerhin dreimal hintereinander durchgezogen, bevor er aufgab. Ihm kam aber trotzdem nicht in den Sinn, sich an Frau L. oder Frau K. zu wenden.

Aber mit der Zeit ist diese Spezies Vertreter entweder ausgestorben oder hat doch noch dazugelernt. 😉

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