Früher war Alles besser

“Früher war Alles besser” – diesen Satz hört man oft, wenn man im östlichen Teil des Landes unterwegs ist. Auf die Frage, was speziell besser war, bekommt man häufig zu hören, dass die Menschen mehr zusammengehalten hätten.
Nun stellt sich die Frage, weshalb ist dieser Zusammenhalt nicht mehr da, bzw. was hat dies mit der Wende zu tun?

Meiner Ansicht nach, liegt es zum Einen an der Erziehung der Menschen im Osten zum Zweiten aber auch an der Trägheit, bzw Faulheit vieler Menschen in unserer Gesellschaft.

Zu Punkt 1 lässt sich sagen, dass die Menschen in der DDR von Klein auf in Hierarchien erzogen wurden.
Bereits ab der 1. Klasse wurden 98% aller Schüler in die politische Kinderorganisation “Jungpioniere” aufgenommen. Ab der 5. Klassen folgten die Thälmann-Pioniere und mit der 9. Klasse ging es zur FDJ.
Diese Organisationen waren nach dem Prinzip des “demokratischen Zentralismus” aufgebaut, die Struktur bis auf die unterste Ebene festgelegt.
Hier gab es regelmäßige gemeinsame Veranstaltungen, Kinder wurden vor versammelter Gruppe gelobt oder bloßgestellt. Der Ablauf der Veranstaltungen war zwar spielerisch, aber immer mit dem Hintergedanken, bereits die Jüngsten in die Hierarchien zu pressen.
Im Berufsleben wurden diese Hierarchien weiter gelebt: Brigade und Brigadenachmittag/-fest. Kollektivabende, GST-Übungen,…
Niemand war also allein. – Unfreiwllig!

Bei Punkt 2 tritt nun das Wesen der Menschen zu Tage. Bis 1989 gab es eine zentrale Führung, die sogar die Freizeit aktiv gestaltete!
Doch plötzlich war da niemand mehr, der einem vorschrieb, was man zu tun hat.
Plötzlich war da niemand mehr, der einem die Nachmittage plante.
Plötzlich war da niemand mehr, der einem die Feiern und Feste plante.
Plötzlich sollte man das selbst machen…

Und hier zeigt sich, wer die Macher sind!
“Och nee, lass das mal die Anderen machen.” – Und dann rummeckern, dass es früher mehr Zusammenhalt gab.

Im ländlichen Raum kann man das wunderbar vergleichen.
Schauen wir uns zwei ähnliche Dörfer, eins in Bayern, eins in Sachsen, an.

In Bayern tun sich die Leute in Vereinen zusammen: Schützenverein, Jagdverein, Feuerwehrverein, Sportverein.
Von hier aus wird sehr viel organisiert: Dorffeste, der Bau eines Kinderspielplatzes (Verein A kauf die Spielgeräte, Bauer B stellt unentgeltlich den Grund zur Verfügung, viel Väter helfen beim Aufbau der Geräte, alle Einwohner achten darauf, das der Spielplatz sauber und unbeschädigt bleibt – weil gemeinsam geschaffen wurde), Seniorennachmittage,…

In Sachsen stellen sich viele Menschen hin und sagen: darum muss sich der Staat kümmern… die Wenigsten packen selbst an – und wenn, dann verzweifeln sie an denen, die behaupten, dass früher Alles besser war!

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